Stilzimmer

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Speisesaal der Marijke Meu

Marijke Meus kleiner Stadtpalast

Haben Sie sich jemals gefragt, wie das Keramikmuseum Princessehof zu seinem Namen kam? Für viele Leeuwarder ist es eine bekannte Geschichte, aber die meisten Besucher des Museums wissen nicht, dass dieses Gebäude einst die Wohnstätte von Maria Louise van Hessen-Kassel war. Sie ist die Ahnfrau unseres Königshauses und wurde zum Liebling des Volkes. Das Nassau-Zimmer im Museum erinnert an die Zeit, als sie hier lebte.

Maria Louise, die aus einer großen deutschen Adelsfamilie stammte, heiratete 1709 im Alter von 21 Jahren Johan Willem Friso van Nassau-Dietz, Statthalter von Friesland und Groningen. Leider war die Ehe nur von kurzer Dauer. Johan Willem Friso starb bei einem tragischen Unfall, als er während einer Bootsfahrt in einen Sommersturm geriet und ertrank. Maria Louise ist damals erst 23 Jahre alt. Sie ist Mutter einer Tochter und zu diesem Zeitpunkt hochschwanger mit ihrem zweiten Kind. Einen Monat nach dem Tod von Johan Willem Friso wurde ihr Sohn Willem Karel Hendrik Friso (Willem IV) geboren. Die Nachfolge war damit gesichert, aber es sollte noch einige Zeit dauern, bis er die Aufgaben des Statthalters übernehmen konnte. Maria Louise beschließt, diese Rolle zu übernehmen, bis ihr Sohn erwachsen ist.

Im Alter von 20 Jahren ist der Moment für Wilhelm IV. gekommen, das Amt des Statthalters zu übernehmen. Für Maria Louise ist dies ein guter Zeitpunkt, sich nach einer angemessenen Bleibe umzusehen. Sie kauft eine Reihe von nebeneinanderliegenden Häusern in der Grote Kerkstraat. Sie bat den berühmten französischen Architekten Anthonius Coulon (1682-1749), die Häuser miteinander zu verbinden. So ist der Princessehof entstanden. Maria Louise lebt in voller Zufriedenheit in ihrem neuen Stadtpalast. Er ist im damals modischen Barockstil eingerichtet. Dies ist noch immer in ihrem ehemaligen Speisesaal zu sehen, der heute Nassau-Saal heißt. Die Wände sind mit kostbaren Goldledertapeten bedeckt, die Maria Louise selbst anbringen ließ. Auch die mit Stuck verzierte Decke, die Holzvertäfelung und der marmorierte Kamin mit vergoldetem Spiegelrahmen gehören zur ursprünglichen Einrichtung. In dem Raum ist viel chinesisches und japanisches Porzellan ausgestellt, wie es damals in wohlhabenden Kreisen üblich war, und der Tisch ist mit friesischem Silber und chinesischem Porzellan gedeckt. Am Fenster steht ein Kabinett mit japanischen Lackarbeiten aus dem 17. Jahrhundert. Die Vorhänge wurden in Frankreich nach einem Vorbild aus dem 18. Jahrhundert gewebt.

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Speisesaal der Maria Louise von Hessen-Kassel im Princessehof Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

 

Nach einigen Jahren wird die Macht ihres Sohnes Wilhelm IV. erheblich erweitert. Neben Friesland fielen bereits Groningen, Drenthe und Gelderland unter seine Herrschaft, doch nun wird er zum Stadthalter der gesamten Republik ernannt. Im Jahr 1751 schlug das Schicksal jedoch zu und er starb nach kurzer Krankheit. Einige Jahre später starb auch seine Frau Anna von Hannover. Ihr Kind, Wilhelm V., ist der zukünftige Thronfolger, aber er ist noch zu jung. Erneut übernimmt Maria Louise die Aufgabe der Regentin. Sie bleibt es bis zu ihrem Tod im Jahr 1765. Danach hatte der Princessehof viele verschiedene neue Bewohner, blieb aber immer mit Maria Louise verbunden.

Im Volksmund war Maria Louise als Marijke Meu oder Maaike Muoike bekannt (muoike ist das friesische Wort für Tante). Sie wurde vom Volk geliebt und für die Art, wie sie die Rolle der Regentin übernahm und ausfüllte, gelobt. Der Nassau-Saal ist daher eine schöne Erinnerung an eine starke Frau, die für Friesland und die Niederlande viel bedeutete.

Karin Gaillard, Konservatorin für europäische Keramik am Keramikmuseum Princessehof
Eline van den Berg, Konservatorin für asiatische Keramik am Keramikmuseum Princessehof

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