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Meisterwerke
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Ru-Schale

Der Himmel nach einem Regenschauer

Wenn Sie diese Schale auf einem Markt herumliegen sähen, würden Sie vielleicht nicht viel davon halten und denken, es sei eine nette kleine Untertasse, praktisch für Erdnüsse. Besucher des Keramikmuseums Prinzessehof gehen oft einfach an der Vitrine mit der kleinen, grün glasierten Schale vorbei. Dennoch handelt es sich um ein fürstliches Meisterwerk, eines der spektakulärsten Objekte in der Sammlung des Princessehofs. Es ist in der Tat das einzige Stück kaiserlichen Rus in den Niederlanden.

Ru ist extrem selten. Es wurde während der Nördlichen Song-Dynastie (960-1127) für einen Zeitraum von nur zwanzig Jahren (etwa von 1086 bis 1106) exklusiv für die chinesischen Kaiser in speziellen Brennöfen gebrannt. Vom ersten Moment an galt es als eine der schönsten Keramikarten überhaupt. Der Hauptblickfang ist die grün-graue Glasur, die einmal als „die Farbe des Himmels nach einem Regenschauer" beschrieben wurde.

Ru-bakje, China, Noordelijke Song-dynastie (960-1127), steengoed, h. 3,4 cm, Ø 13 cm, bruikleen Ottema-Kingma Stichting.
Ru-bakje, China, Noordelijke Song-dynastie (960-1127), steengoed, h. 3,4 cm, Ø 13 cm, bruikleen Ottema-Kingma Stichting.
Ru-bakje, China, Noordelijke Song-dynastie (960-1127), steengoed, h. 3,4 cm, Ø 13 cm, bruikleen Ottema-Kingma Stichting.
Ru-bakje, China, Noordelijke Song-dynastie (960-1127), steengoed, h. 3,4 cm, Ø 13 cm, bruikleen Ottema-Kingma Stichting.

Ru-Schale, China, Nördliche Song-Dynastie (960-1127), Steingut, H. 3,4 cm, Ø 13 cm.
Klicken Sie auf die Abbildung, um die gesamte Ru-Schale zu sehen.

Eine Ru-Pinselschale, die 2012 vom Auktionshaus Sotheby's versteigert wurde, erzielte über 30 Millionen Euro. Es sind nur neunundsiebzig Stücke von Ru erhalten geblieben, von denen sich die meisten in der Sammlung des Palastmuseums in Taipeh befinden. Mehrere Ru-Objekte gehören zur Percival-David-Sammlung im British Museum in London. Und der Princessehof hat also auch eines. Das Schälchen wurde 1981 von einem niederländischen Sammler großzügig gestiftet. Seitdem ist die kleine Schale nicht nur für unsere Sammlung wichtig, sondern auch für die gesamte niederländische Sammlung asiatischer Keramik.

Für etwas, das so selten ist, sieht es nicht sehr spektakulär aus. Die kleine Schale oder Schüssel, die zum Reinigen von Pinseln gedacht war, ist nicht groß, hat keine auffällige Form und ist völlig undekoriert. Nicht wirklich das, was man von einem teuren Stück chinesischer Keramik erwarten würde. Warum ist es also so beliebt? Wie die meisten Ru-Objekte hat die Schale eine „einfache“ Form und eine sehr schöne, craquelierte Glasur. Es ist nicht glänzend, aber es hat viel Tiefe. Genau wie Jade, die die Chinesen sehr bewundern. Diese kleine Schale ist kein „Wow"-Objekt, sondern repräsentiert vielmehr einen äußerst raffinierten und verfeinerten kaiserlichen Geschmack. In seiner ganzen Bescheidenheit ist es ein Meisterwerk von Format. Im Princessehof wird es streng bewacht.

Höhepunkt der Keramikgeschichte

Der Grund, warum die Ru nur für kurze Zeit hergestellt wurde, ist, dass China während der Zeit des Song-Kaisers Huizong von Nomadenstämmen aus dem Norden angegriffen wurde. Der Kaiser floh nach Süden und ließ sich in Hangzhou nieder. Hier hatte er keinen Zugang mehr zu den Ru-Öfen und bat deshalb einheimische Töpfer, die berühmten Keramiken zu kopieren. Dies führte zu einem neuen Typ, der Guan genannt wurde, was auf Chinesisch „offiziell“ bedeutet.

Ru und Guan bilden zusammen mit Ge, Jun und Ding die fünf Keramiktypen, die während der Song-Dynastie ausschließlich für den kaiserlichen Hof hergestellt wurden. Auch in späteren Epochen wurden diese Keramiktypen für ihre einfachen Formen, Raffinesse und schönen Glasuren gelobt. Für die chinesische Elite waren diese Keramiktypen der Höhepunkt in der Geschichte der Keramik. Sie waren daher beliebte Sammlerstücke, die auf Zusammenkünften von Gelehrten bewundert und diskutiert wurden. Kaiser Qianlong, der im 18. Jahrhundert regierte, war von der Ru so angetan, dass er auf einige der Stücke seine Gedichte eingravieren ließ, in denen er die Objekte selbst lobte. Dass er mit seinem Lob die berühmten Ru-Stücke auf diese Weise unwiderruflich beschädigte, gefiel allerdings nicht jedem.

Eva Ströber, ehemalige Konservatorin für asiatische Keramik am Keramikmuseum Princessehof, met Dank an Aafke Koole

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